DNS One Testbericht
Ist das alles?
Nach seinem eingehenden DNS One Test schrieb uns Markus Mock von Zara Productions seine Erfahrungen.
DNS one

Zugegeben, der Titel klingt zunächst nicht sehr vielversprechend, besonders in den Ohren potentieller CEDAR-Neueinsteiger, für die dieser Testbericht in erster Linie gedacht ist. Jedoch, diese Frage begleitete mich während der gesamten Testphase und ihre tiefere Bedeutung im Zusammenhang mit dem DNS One, wird sich später noch zeigen. Aber alles der Reihe nach.
Der Kandidat
Seit Februar 2010 bietet CEDAR neben ihrer hinreichend gepriesenen Audio-Restaurierungshardware erstmals ein Pro Tools Plugin an, das nicht nur verspricht, eine komfortable Bedienoberfläche für die externen Geräte (DNS2000, DNS3000) zu sein. Der DNS One soll zudem auch noch mit derselben leistungsfähigen Dialog Noise Suppressor-Technologie aufwarten, die auch seine gehäuseummantelten Geschwister auszeichnet, nur eben auf Softwarebasis. Was verspricht diese DNS-Technologie?
Nomen est Omen. In erster Linie dient sie dazu, die im O-Ton mit der Sprache aufgenommenen, unerwünschten Hintergrundgeräusche gezielt zu unterdrücken. Um Missverständnissen vorzubeugen, signalverändernde Störungen, wie Knackser, oder Verzerrungen sind damit nicht zu beheben, dazu bietet auch CEDAR eine Reihe anderer Hilfsmittel. Hier ist die Aufgabe, Sprache, bzw. Dialoge bestmöglich freizustellen um zeitaufwändige und kostspielige Nachsynchronisationen zu vermeiden. Jetzt sind die Qualitäten der Hardware eine Sache. Ob es nun wirklich auch gelingt dieses Konzept komplett als Softwarelösung zu realisieren, so dass es ab sofort möglich ist ohne Umwege über externe Komponenten, wie mit einem Effektplugin zu arbeiten, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es klingt jedenfalls fast zu schön um wahr zu sein. Wenn das mal gutgeht.
Die Umgebung
Während der Testphase unterstützte die DNS One Software leider nur Intel Macs. Inzwischen läuft das Plugin mit dem aktuellen und kostenfreien Update auf allen Rechnern ab G4 und MacOS Tiger. Ich war aber noch gezwungen von meinem G5 PowerMac auf einen 2,40 GHz Dual Core, 2GB RAM Windows XP PC auszuweichen, was gleichwohl auch als Vorteil gewertet werden kann, da aufgrund des bekannterweise nicht immer unproblematischen Zusammenspiels von Windows und Pro Tools die Kriterien noch verschärft wurden. Sollte der DNS One auf diesem System ohne Zicken laufen, dann läuft er überall. Das zu reparierende Objekt war der O-Ton eines Kurzfilms mit den üblichen Nebengeräuschen und als Härtefall sozusagen, den unerwünschten Aufnahmen einer nahe dem Drehort gelegenen Autobahn.
Die Installation
Ich bekam die Software für zwei Wochen zur Verfügung gestellt und was mir der Postbote schließlich brachte, war eine kleine Schachtel mit einer einzigen CD in der Hülle und einem kleinen USB Dongle darin. „Ist das alles?“ fragte ich mich zum ersten Mal. Sicher, heutzutage ist das eigentlich schon anachronistisch, aber irgendwie erwartet man sich von einer Software, die soviel zu leisten vermag spontan doch wenigstens fünf Installations DVDs. Aber gut, mir war es nur recht und ich legte den Datenträger ein. Der Installationsvorgang gestaltete sich ähnlich bescheiden, rein mit dem Dongle, einige Klicks und ein paar Minuten später war die Sache erledigt. Allerdings hatte ich danach mit einigen Pro Tools Abstürzen zu kämpfen. Damit war nach einem Update von 8.0.0 auf 8.0.3 Schluss. Es sei also an dieser Stelle empfohlen, das Pro Tools vor der Installation des DNS One auf den neuesten Stand zu bringen um derartigen Schwierigkeiten von vorne herein aus dem Weg zu gehen.
Die Funktion
Nun war ich soweit startklar. Pro Tools lief mit installiertem DNS Plugin und die O-Ton Session war geladen. Ich scrollte im Kanalinsert durch die Plugins, fand den DNS One, wählte ihn aus und was vor mir erschien war ein kleines Bedienpanel mit einem Level und sechs Gain Fadern, sowie sechs Wahlschaltern für den Frequenzbereich. „Ist das alles?“ fragte ich mich erneut. Irgendwie machte dieses bescheidene Werkzeug nicht den Eindruck, als könnte es all die Dynamikprozessoren, Filter, Denoiser und Hum Remover, die bisher zur O-Ton Restaurierung benötigt wurden, ersetzen. Ich wollte aber nicht vorschnell urteilen, also nahm ich mir ein Stück O-Ton vor, für den
Anfang zunächst ein gut verständlicher Dialog mit leichtem, entferntem Verkehrsrauschen im Hintergrund. Nach einem kurzen Blick ins Manual folgte ich der empfohlenen Vorgehensweise. Zuerst sollte im Bedienpanel etwas weiter oben rechts unter „Processor“ der DNS One ausgewählt werden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist für den Dongle dauerhaft ein USB-Port zu reservieren, denn er wird permanent abgefragt. Entfernt man ihn verweigert der DNS One seinen Dienst. Als nächstes wählt man über die Wahlschalter den groben Frequenzbereich. Zur Auswahl steht Low, Mid, High, Low & Mid, Mid & High, sowie Fullrange. In meinem Fall erschien mir „Mid & High“
sinnvoll. Ist der Bereich festgelegt zieht man alle Fader nach unten, also auf maximale Dämpfung. Den Level-Fader bewegt man anschließen soweit nach oben, bis die Hintergrundgeräusche gerade noch unterdrückt werden. Mit den Gain-Fadern verfährt man anschließend ähnlich. Abhängig von der Wahl des Frequenzbereichs regelt jeder eine bestimmte Bandbreite. Man zieht sie nun der Reihe nach wieder hoch, bis man das gewünschte Verhältnis aus Dialogqualität und Geräuschunterdrückung erreicht hat. Und wieder fragte ich mich: „Ist das alles?“. Wo sind all die Parameter und Feineinstellungen, die Attacks, Releases und Thresholds, all diese Spezialregler und Buttons mit schmissigen Namen wie Smoothing, Advanced FX und Clean up?
Sie scheinen wohl nicht nötig zu sein, denn was ich nach weniger als einer Minute Regelungsaufwand hörte war mehr als beeindruckend. Als hätte es ihn nie gegeben, war der Verkehr vollständig eliminiert, ohne aber die Qualität der Sprache auch nur anzukratzen. Der Einstiegstest war also mit Bravour bestanden, es wurde Zeit, die Latte etwas höher zu legen. Was nun folgte waren zahlreiche Tests mit deutlich lauteren Hintergrundgeräuschen verschiedenster Art, zum Beispiel der zuvor bereits erwähnten nahegelegenen Autobahn, diversem Kamerasurren, dem Gebrumm eines Generators, oder dem Summen alter Leuchtstofflampen. Es scheint dem DNS One wirklich völlig egal zu sein was man ihm vorsetzt. Solange auch nur ein klitzekleiner Dynamikbereich zwischen Nutz- und Störsignal liegt, trennt er mit der Präzision und Sauberkeit eines Chefchirurgen das Erhaltenswerte vom Unerwünschten und rettet somit, was man längst schon als verloren geglaubt hatte. Irgendwann freilich, bei zu geringem Pegelabstand zwischen Dialog und Hintergrund gelingt es nicht mehr, letzteren vollständig zu entfernen, allerdings schafft man es eigentlich immer, ihn soweit zu unterdrücken, dass er in der Mischung problemlos von neuen Atmos und Geräuschen überdeckt wird. Aufnahmen dieser Art hätte man zuvor aber garantiert als verloren abgestempelt. Was also die Funktionen betrifft, scheint sich der DNS One nicht hinter seinen Geschwistern verstecken zu müssen. Genau genommen hat er sogar noch einen klaren Vorteil gegenüber einem externen Gerät. Man kann ihn mehrmals in einem Kanal aktivieren. So ist es beispielsweise möglich, mit je einer Instanz separat High, Mid und Low zu bearbeiten und somit den gesamten Frequenzbereich nicht nur auf sechs sondern auf achtzehn Gain-Fader aufzuteilen. Mit dieser zusätzlichen Verfeinerung des Regelbereichs gelang es mir sogar eine völlig verhallte, von Nebengeräuschen durchsetzte Sprache in eine verwertbare, weitestgehend trockene Aufnahme zu verwandeln, das alles, nebenbei bemerkt, ohne einen Einbruch seitens der Rechnerleistung festzustellen.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich überzeugt. Jetzt wollte ich aber auch wissen, wann der DNS One an seine Grenzen stößt. Ich schaffte ihn schließlich mit einem Stück bereits aussortiertem O-Ton, in dem einige Seufzer, leise Atmer, und Schluchzer vollkommen im Soundbett besagter Autobahn begraben waren. An Stellen wo zwischen Hintergrund und Sprache wirklich kein Lautstärkeunterschied mehr bestand, war auch nichts mehr zu gewinnen. Dennoch aber legte er mir tapfer alles frei, was noch irgendwie lauter war, so dass Teile der Aufnahme theoretisch sogar noch hätten verwendet werden können. Ich muss also zugeben, wirklich zum Scheitern konnte ich den DNS One nicht bringen. Der Bereich des verwertbaren O-Tons wird mit diesem Werkzeug in jedem Fall neu definiert. Hätte es sich inzwischen nicht auch erübrigt, hätte ich überhaupt nur einen Nachteil in Sachen Handhabung aufgeführt. Während des Testzeitraums funktionierte der DNS One nur als Echtzeit-Plugin im Kanalzug. Es war also immer notwendig, die bearbeiteten Passagen auszuspielen und neu aufzunehmen. Ebenfalls mit dem aktuellen Update ist er nun über die Audio-Suite inklusive Process-Button aufrufbar, womit er nun endgültig über alle Vorzüge eines Pro Tools Softwareplugins verfügt.
Fazit
Kommen wir zurück zur Überschrift: Ist das alles?
Ja, das ist es! Nein vielmehr noch, das ist es, was die Qualität des DNS One überhaupt erst ausmacht. Von der Verpackung bis zur Installation, vom Erscheinungsbild bis zur Handhabung, er gibt sich in wirklich allem bescheiden, nur nicht in dem, was in ihm steckt. Was dieses Werkzeug so ziemlich einzigartig machen dürfte, ist eine herausragende Technologie, kombiniert mit einer geradezu absurd einfachen Bedienung. Es mag sein, dass gute, restaurierungserfahrene Tonmeister mit alternativen Geräten und Plugins ein ähnliches, in manchen Fällen vielleicht sogar gleichwertiges Ergebniszustande bringen. Das dürfte aber sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen und setzt sehr viel Praxiserfahrung voraus. Mit dem DNS One hingegen wird die O-Ton Restauration zur Praktikantenarbeit. Nach fünf Minuten hat man begriffen wie er funktioniert, nach 15 bis 30 Minuten ist man eingearbeitet, nach ein bis zwei Stunden weiß man die nötigen Einstellungen sobald man den O-Ton hört.
Zusammengefasst müsste man eigentlich sagen, der DNS One darf in keinem Ton- oder A/V-Studio fehlen, was ich prinzipiell unterstreiche. Es gibt da nur noch diesen wirklich einzigen Wermutstropfen, er ist nicht ganz billig. Betrachtet man die beeindruckende Leistungsfähigkeit dieses Werkzeugs scheint ein etwas höherer Preis absolut gerechtfertigt, keine Frage, jedoch werden es trotzdem einige Studios scheuen eine solche Investition für „nur“ ein Plugin zu tätigen und lieber weiterhin die konventionellen Hilfsmitteln benutzen, vor allem wenn die O-Ton Bearbeitung nicht zum Alltagsgeschäft gehört. Dabei ist es gerade der Posten des kleinen Nothelfers im Studio, den gerade das Pro Tools Plugin zusätzlich noch so hervorragend ausfüllen könnte. Es ist sofort greifbar, und im Handumdrehen ist damit mal eine Aufnahme gesäubert, die einem sonst unter Umständen massive Probleme bereitet hätte. In nicht wenigen Situationen habe ich mir seit dem Test den DNS One zurück gewünscht. So gesehen würde sich die Investition wahrscheinlich schnell amortisieren. Trotzdem ist und bleibt es ein Kostenpunkt, der viele zunächst einmal zusammenzucken lassen wird. Am Ende liegt es also wie so oft in jedermanns eigenem Ermessen, ob der DNS One ein fester Bestandteil des Arbeitsumfelds wird oder nicht.
Markus Mock








